c/o Horst Josef Becker
Ulrich-von-Hassell-Str. 8
40789 Monheim
 
Telefon: (02173) 6 00 37
 
Vorsitzender:
Hans Müskens
 
Geschäftsführer:
Horst Josef Becker

Kontakt:
 
Telefon: (02173) 6 00 37

Friedrich Spee (1591-1635) auch nach der Herkunft seines Familienzweiges mit dem Zusatz »von Langenfeld« bezeichnet, wurde am 25. Februar 1591 als Sohn des adligen Amtmanns in Kaiserswerth am Rhein (einem heutigen Stadtteil von Düsseldorf) geboren. 1610 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Trier ein, legte 1612 in Fulda die ersten Gelübde ab und weilte während des Studiums und damit verbundenem Schuldienst in Würzburg, Speyer, Worms und Mainz. Nach der Priesterweihe 1622 wirkte Spee als Seelsorger und Theologieprofessor in Paderborn, Köln und Trier. Am 7. August 1635 starb er in Trier an den Folgen einer Seuche, die er sich bei der Pflege von Verwundeten und Kranken nach den Kämpfen zwischen Spaniern und Franzosen im Dreißigjährigen Krieg zugezogen hatte.
Von seinem lyrischen Werk stehen Kirchenlieder (»O Heiland reiß die Himmel auf«, »Zu Bethlehem Geboren« und andere mehr) in den evangelischen und katholischen Gesangbüchern aller deutschsprachigen Länder und gilt die »Trutz-Nachtigall« als bedeutendste katholische Barockdichtung. Das »Güldene Tugend-Buch« ist das erste eigens für Frauen geschriebene größere Andachtsbuch. In der 1631 erschienenen Schrift »Cautio Criminalis« (Rechtliches Bedenken oder Buch über die Hexenprozesse) wandte sich Spee in scharfer Form gegen das Verfahren der Hexenprozesse mit unter der Folter erpreßten Geständnissen. Mit seiner mutigen Anklage der Fürsten, Juristen und Theologen, die noch heute mitreißend zu lesen ist, hat Spee zur Überwindung der furchtbaren Wahns beigetragen. Die moraltheologische Lehre Spees hat durch die Aufnahme bei anderen Autoren weitergewirkt und läßt sich in gewissem Umfange aus einer in Köln erhaltenen Handschrift erschließen. Mit der Vielseitigkeit seines Schaffens spricht Friedrich Spee nicht nur die Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an; seine Frömmigkeit und Lobpreisung der Schöpfung Gottes in der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges und sein engagierter Einsatz für Menschen in Not sind bis heute beispielhaft.
Das Gedächtnis Friedrich Spees erhielt starke Impulse durch die Auffindung und Neugestaltung seines Grabes unter der Trierer Jesuitenkirche im Jahre 1980. Zahlreiche Schulen und Weiterbildungsstätten sowie eine Gastprofessur an einer deutschen Universität sind nach ihm benannt. Die 1985 und 1987 in den Geburts- und Sterbeorten Düsseldorf und Trier gegründeten Friedrich-Spee-Gesellschaften dienen der Erforschung von Person und Werk Friedrich Spees und seiner Zeit und der Pflege seines Andenkens in der Öffentlichkeit. Beide Gesellschaften bilden eine Arbeitsgemeinschaft und geben seit 1994 gemeinsam das Spee-Jahrbuch heraus. Die Trierer Gesellschaft hat ihren Sitz in der wissenschaftlichen Stadtbibliothek, die neben kostbaren Handschriften seit der Karolingerzeit das Autograph von Spees »Trutz-Nachtigall« besitzt. Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars sammelt in der Spee-Dokumentation umfassend Literatur über Leben und Werk, auch Zeitungsartikel, Rundfunk- und Fernsehbeiträge. Nach einem großen Kolloquium zu Spees 400. Geburtstag 1991 finden seit 1993 jährlich Tagungen statt, die entweder unterschiedlichen Fragen zu Spees Leben und Werk gewidmet sind oder unter einem bestimmten Thema wie der Erforschung der Hexenprozesse oder der Theologie Spees stehen. 1993 wurde zum ersten Mal der »Friedrich-Spee-Förderpreis« für herausragende Dissertationen und ähnliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern zu Friedrich Spee und seiner Zeit verliehen. Neben den Veranstaltungen, zu denen auch Konzerte, Gottesdienste und Exkursionen gehören, legt die Gesellschaft besonderen Wert auf Publikationen, darunter eine Reihe mit Quelleneditionen. Das Spee-Jahrbuch mit Aufsätzen, Abbildungen und Berichten über Aktivitäten und Neuerscheinungen sowie gelegentlich Sonderdrucke oder Broschüren erhalten die Mitglieder als Jahresgaben. Eine Spee-Forschungsstelle mit verschiedenen Projekten ist geplant. Eine Zusammenarbeit besteht mit der »Arbeitsgemeinschaft Hexenprozesse im Trierer Land« an Stadtbibliothek/Stadtarchiv und Universität Trier. Sie erforscht und ediert interdisziplinär die Quellen, um bei der Diskussion des vielschichtigen Problems der von Spee bekämpften Hexenprozesse weiterzukommen.

Gunther Franz