c/o Dieter Gronbach
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Vorsitzender:
Dieter Gronbach
 
Geschäftsführer:
Sven Lützeler

Im Jahre 1985 bildete sich in der Heimatstadt Friedrich Müllers (genannt Maler Müller) ein Freundeskreis, der sich dem großen Kreuznacher verbunden fühlt. Er bemüht sich um die Pflege kultureller Werte und unterstützt die Forschungsarbeit über Leben und Werk des Maler-Dichters. Außerdem archiviert er historische und künstlerische Dokumente und führt Ausstellungen durch. Zur Zeit hat der Freundeskreis 136 Mitglieder.
Monatliche Treffen, in denen Themen zu Maler Müller und seinem Umfeld behandelt werden, führen Referenten aus dem Freundeskreis überwiegend selbst durch. In regelmäßigen Abständen werden auch externe Literaturwissenschaftler tätig. Jährlich wird eine Studienfahrt des Freundeskreises »auf den Spuren Maler Müllers« durchgeführt. Die Ziele der letzten Jahre waren Rom, Speyer, Weimar, Zweibrücken und Knittlingen.
Maler Müller verbrachte seine Kinder- und Jugendjahre in Kreuznach. Dort wurde er am 13. Januar 1749 als Sohn des gleichnamigen Bäckers und Wirtes geboren. Als Friedrich Müller kaum 11 Jahre alt war, verstarb sein Vater und hinterließ die Mutter mit sieben unversorgten Kindern. Friedrich mußte nun das Gymnasium verlassen und der Mutter im Betrieb helfen. Er unterstützte sie in der Gaststube und hütete die Kühe. In dieser Zeit entstanden auch erste Zeichnungen und Verse. Beim Viehhüten skizzierte er die Tiere und die Landschaft und in der Gaststube karikierte er die Besucher und versah diese Zeichnungen mit entsprechenden Reimen.
Ein solche Zeichnung von einer polnischen Bettlerfamilie ermöglichte ihm die Aufnahme an der herzoglichen Malschule in Zweibrücken. Christian IV. holte ihn an seinen Hof, um ihn zu fördern. In der Folgezeit schuf Maler Müller seine ersten bedeutenden Radierungen mit Tiermotiven, Hirten und Waldlandschaften. Es entstanden auch erste Versdichtungen, biblische Idyllen und Entwürfe zu den späteren Dramen »Genoveva« und »Faust«. In Zweibrücken hatte Maler Müller ein inniges aber unglückliches Liebesverhältnis mit Charlotte Kärner, der Tochter des Oberkonsistorialrates. Obwohl Charlotte ein Kind von Maler Müller erwartete, verbot der Vater die Heirat. Der Herzog entzog Maler Müller dem Druck des Hofes, indem er ihn an die Kunstschule Mannheim empfahl.
Die große Liebe, aber auch die schmerzhaften Ereignisse in Zweibrücken beschäftigten Maler Müller während seines gesamten Lebens und fanden Niederschlag in seinen besten Werken und Zeichnungen. Müller blieb unvermählt; seine Charlotte verstarb, als er in Rom lebte, und auch das gemeinsame Kind verstarb früh. Bei seinem Abschied von Zweibrücken schuf Maler Müller das zum Volkslied gewordene »Heute scheid ich, heute wand'r ich«.
In Mannheim hatte Maler Müller seine fruchtbarste Schaffensperiode. Kurfürst Karl Theodor ernannte ihn zum kurfürstlichen Kabinettsmaler und Müller fand in höchsten Kreisen Anerkennung und Achtung. Er hatte Kontakte zu den Großen seiner Zeit, vornehmlich zu Lessing, Wieland, Goethe und Schiller. Maler Müller gehörte zu den Mitbegründern des Mannheimer Nationaltheaters, an dem später Schillers »Die Räuber« uraufgeführt wurde und den Ruhm des jungen Marbacher Dichters begründete.
Zu dem gleichaltrigen Goethe hatte Maler Müller ein »gespaltenes Verhältnis«, das zunächst von gegenseitiger, positiver Wertschätzung geprägt war, aber schließlich über erhebliche Spannungen zum Bruch zwischen beiden führte. Zu Beginn der Verbindung lobte Goethe Müllers zeichnerische Arbeiten und es entstand ein reger Briefwechsel und eine Erfahrungsaustausch. Müller schuf u.a. eine Illustration zu Goethes »Götz« und beide arbeiteten am »Faust«-Thema. 1776 erschien Maler Müllers erstes Faustfragment. 1778 vermittelte Goethe Maler Müller ein Stipendium in Rom und hält brieflichen Kontakt zu ihm. Maler Müllers Arbeit in Rom verlief aber nicht so erfolgreich wie bisher. Dort beherrschten die Historienmaler die Szene. Müllers Stärke waren jedoch naturwahre und realistische Tier- und Landschaftsbilder. Auch seine Beschäftigung mit dem Thema Hölle brachten Müller keine Freunde und keinen Erfolg, sondern nur den Beinamen »Teufelsmüller« ein. Nachdem auch noch sein Förderer, Kurfürst Karl-Theodor, sich von der Kunst ab- und der Politik zuwandte, geriet Müller zudem in finanzielle Schwierigkeiten. In diese Verwirrungen dringt Goethe 1780 mit seiner Forderung, der Weimarer Freundeskreis wolle jetzt endlich (nach zwei Jahren) Werke von ihm sehen. 1781 schickt Maler Müller zwei Werke mit biblischen Motiven nach Weimar, die in Rom Anklang gefunden hatten und hofft auf positive Resonanz. Goethes Anwort muß ihn tief getroffen haben. Er teilte ihm mit, daß »seine Sachen in Weimar kein groß Glück gemacht hätten« und bezeichnete die Werke als »doch eigentlich nur gestammelt«.
In der Forschung diente diese Wertung über viele Jahrzehnte als Bestätigung der These vom Niedergang Maler Müllers in Rom. Gerade aber in neuerer Zeit wird das Goethe-Urteil nicht mehr uneingeschränkt geteilt. Friedrich Groß (1985), Wolfgang Schlegel und Ingrid Sattel Bernadini (1986) sowie Jutta von Selm (1988) kommen beispielsweise zu anderen Auffassungen. Maler-Müller-nahe Forscher sind davon überzeugt, daß Goethes Urteil positiver ausgefallen wäre, wenn er das gesamte Spätwerk Maler Müllers gekannt hätte. Da Maler Müllers Werke aus der römischen Zeit verschollen sind, war es erst spät möglich, durch die Auswertung erhalten gebliebener Reproduktionen und den Vergleich mit Radierungen und Zeichnungen eine umfassendere Wertung abzugeben.
Ferdinand Denk führte bereits 1929 aus, daß der Konflikt zwischen Goethe und Maler Müller »auf ewig junge Grundfragen künstlerischer Gestaltung« zurückgeht. Goethe war in Weimar zum »deutschen Klassiker« herangereift, während Maler Müller ein unbeugsamer »Stürmer und Dränger« geblieben war.
Es gibt in der Folgezeit nur noch ein Zeugnis, das als Zeichen der Annäherung zwischen beiden gewertet werden kann. 1816 lobte Goethe eine Kunstbeschreibung Müllers in den Heidelberger Jahrbüchern und schreibt »unser mehrjähriger Freund, Mitarbeiter und Zeitgenosse Maler Müller«.
Maler Müller vollendete seinen »metrischen Faust« in Rom kurz vor seinem Tode am 23. April 1825. Sein geliebtes Kreuznach, dem er die »Hymne an die Vaterstadt« geschrieben hat, hat er nicht wiedergesehen:
»Ja, vorzüglich vom Himmel geliebet bis du, schöne Vaterstadt,
gesegnet vor tausend anderen Städten.
Freude und Überfluß wohnen bei dir; du bist auf Liebe gegründet.
Der Bauherr, der den ersten Eckstein zu deinem Tore gelegt,
war ein Günstling des Himmels...«
Der Bad Kreuznacher Freundeskreis Maler Müller ist stolz auf seinen Namenspatron, dessen Grabinschrift von seiner Bescheidenheit zeugt:
»Wenig gekannt und weniger geschätzt, hab ich beim Wirken
nach der Wahrheit gestrebt, und mein höchster Genuß
war die Erkenntnis des Schönen und Großen. Ich habe gelebt!
Daß Fortuna mich nie liebte, verzeih' ich ihr gerne.«

Dieter Gronbach

 

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