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Wie ein Mensch handelt, so redet man ihm nach. Als der Volkswirt Rainer Hasse im Jahre 1994 das Dorf Mansfeld in der Prignitz erstmalig aufsuchte, fand er dort außer dem Geburtshaus Gottfried Benns nichts, was die Erinnerung an den Dichter hätte wach halten können. Die Benns kamen aus der alten Wendengegend zwischen Putlitz und Perleberg, wo man ihre Spuren heute noch findet, und in Mansfeld war schon Gottfried Benns Großvater Pfarrer gewesen. Es ist eine seit den Glaubenskriegen arme Region. Mancherorts, und das gilt auch für Mansfeld, brachen die letzten Reste einer dörflichen Infrastruktur nach 1949 zusammen. Weil nun aber immer mehr Touristen, selbst aus Übersee, sich nach Hinweisen auf Benn erkundigen, welche selbst Ortsansässige nicht geben konnten, entschloß man sich auf Initiative Hasses, Veranstaltungen zu organisieren und den Einwohnern Chancen der Teilnahme aufzuzeigen. Der im Februar 2002 gegründete Verein will für Mansfeld eine Begegnungsstätte schaffen und das Werk des Dichters in der Gegend seiner Herkunft und dieser Gegend zum Nutzen vielen Menschen zugänglich machen. Zum erstem Mal trat der Gottfried Benn Förderkreis am 3. Mai 2003 an die Öffentlichkeit und enthüllte vor fast hundert Gästen am Geburtshaus Benns eine Gedenktafel. Die dem Ereignis angemessene Diskussionsrunde an ihr nahmen unter anderen Fritz J. Raddatz und der Herausgeber der Stuttgarter Ausgabe teil schloß das Programm des Tages inhaltsreich ab. Mansfelds Mitte hat jetzt einen Gottfried-Benn-Platz. In der aufgelassenen Kirche wird von April bis Oktober eine Ausstellung gezeigt und von Literaturfreunden und Schulklassen besucht. Auf seiner Jahreshauptversammlung am 27. September 2003 im Schloß Wolfshagen gab der Verein Schülern des Gymnasiums Pritzwalk die vorzüglich genutzte Gelegenheit zur Rezitation. Der Verfasser dieser Zeilen, Historiker aus Berlin, sprach über Unbekanntes aus dem Leben des Dichters, und fast beiläufig bot er, was selten geschieht, aber in Ansehung der politischen Vergangenheit des Auditoriums nahe lag: eine philosophisch angeleitete Einführung in die Beziehung Benns auf den Marxismus. Im Mai 2004 soll Dr. Astrid Gehlhoff-Claes aus ihren Werken lesen. Exponate der Fritz-Wüllner-Sammlung der Landesbibliothek Potsdam werden in Pritzwalk zu sehen sein. Und die Anfragen aus dem Ausland, die den Vorstand des Förderkreises inzwischen erreichen, geben ihm unwillkürlich weitere Möglichkeiten vor. Er wird solche Möglichkeiten aus wohl erwogenen Gründen am ursprünglichen Vereinszweck prüfen. Dem Vorstand haben sich in der Funktion eines Beirats die Damen und Herren Ursula Kramm-Konowalow, Professor Dr. Sybille Penker, Dr. Horst Ermel, Rainer Hasse, Gebhardt zu Putlitz und Dr. Dietrich Rümker zur Verfügung gestellt. In wenigen Sätzen ist von der geduldigen Arbeit weniger, es mögen einstweilen drei Dutzend sein, Bericht erstattet. Ihr Vorhaben, wie bescheiden auch immer, bedarf keiner Rechtfertigung mehr, es ist Teil des Lebensprozesses der Gesellschaft. Sollte der Rang eines Dichters nicht an dem zu ermessen sein, was sein Werk schon durch die und für die, deren Metier die Literatur nicht ist, glückhaft und bedeutsam zu bewirken vermag? Horst Ermel | ||||||
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