24.11. Max Goldt mit Kleist-Preis ausgezeichnet - Laudator Daniel Kehlmann
Berlin (dpa/bb) - Der Schriftsteller und Publizist Max Goldt ist am 23. November 2008 in Berlin mit dem Kleist-Preis 2008 ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt der Autor und Kleist-Preisträger Daniel Kehlmann (»Die Vermessung der Welt«), der als Vertrauensperson der Jury Goldt für die Auszeichnung ernannt hatte.
Goldt sei der vielleicht »witzigste deutsche Schriftsteller« und zeichne sich durch »scharfe Intelligenz« aus, sagte Kehlmann im Berliner Ensemble. Er empfehle, die Bücher Goldts nicht in öffentlichen Räumen zu lesen, da man »zu laut lachen« müsse. Goldt schildere Alltagssituationen, »für die wir blind waren, bevor sein Blick darauf fiel«. Kehlmann nannte Goldt einen »Alltagsbeobachter«, der genau hinsehe, Bemerkenswertes erkenne und die Wirklichkeit in Worte fassen könne.
Max Goldt hingegen bekannte in seiner Dankesrede, weder die Bezeichnungen »Alltagsbeobachter«, »Kolumnist«, »Satiriker« noch »Kultautor« auf sich selbst zu beziehen. »Ich bin Schriftsteller und Dichter.« Den Kleist-Preis zu erhalten und sich damit in die Liga bedeutender Schriftsteller einzureihen, empfinde er als etwas »ganz Feines«. Er sei kein Kleist-Experte, verbinde den Namen mit der Kleist-Briefmarke, die er als Achtjähriger bewundert habe. »Aber was ich von Kleist gelesen habe, gefiel mir«, sagte Goldt mit einem Augenzwinkern. Frühere Kleist-Preisträger waren unter anderem Carl Zuckmayer, Bertolt Brecht, Alexander Kluge und Heiner Müller.
Der 1958 in Göttingen geborene Goldt habe als Kolumnist der Zeitschrift »Titanic«, Essayist und Prosakünstler den deutschen Alltag bis »zur Kenntlichkeit entstellt«, hieß es zur Begründung zur Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Preises. Mit seinem Witz, Scharfsinn und ästhetischen Urteilsvermögen sei er dem Sprachkritiker Karl Kraus (1874-1936) vergleichbar.
Im Vorfeld der Preisverleihung fand im Literarischen Colloquium am Wannsee bis Samstag die internationale Jahrestagung der Heinrich-von- Kleist-Gesellschaft statt. Dabei wurden auch Pläne für das Kleistjahr 2011 zum 200. Todestag des Dichters erörtert. Kleist hatte sich am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Berlin erschossen.
Christoph Hein erhält Walter-Hasenclever-Literaturpreis
Aachen (dpa/lnw) - Einer der bekanntesten politischen Schriftsteller Deutschlands, Christoph Hein, hat den Aachener Walter-Hasenclever-Literaturpreis erhalten. Heins Werk sei vielseitig, sein Schaffen Zeit bezogen und sein Schreiben von gesellschaftlichem Engagement geprägt, begründete die Walter-Hasenclever-Gesellschaft die Wahl. Mit einem Preisgeld von 20.000 Euro zählt die Auszeichnung zu den höchstdotierten deutschen Literaturpreisen.
Der in Berlin lebende Schriftsteller gilt als »poetischer Chronist der DDR und früher Seismograph ihres Untergangs«. Sein erster Roman »Horns Ende« (1985) über den Stalinismus der frühen DDR oder »Der Tangospieler« (1989) über den Stasi-Alptraum der späten DDR wurden in Ostdeutschland unter der Hand weitergereicht.
Der Walter-Hasenclever-Literaturpreis ist nach dem gleichnamigen, 1890 in Aachen geborenen Schriftsteller benannt und wird alle zwei Jahre verliehen. Ausgezeichnet werden Autoren, die sich in Form und Inhalt um die deutsche Literatur verdient machen. Im vergangenen Jahr war die in Berlin lebende Schriftstellerin Herta Müller ausgezeichnet worden.
Anna Seghers-Preis 2008 geht an Lukas Bärfuss und Alejandra Costamagna
Der von der Anna Seghers-Stiftung mit 25.000 Euro dotierte Anna Seghers-Preis 2008 geht zu gleichen Teilen an den schweizer Autor Lukas Bärfuss und an die chilenische Schriftstellerin Alejandra Costamagna. Der Preis wird am 22. November 2008 um 19 Uhr in der Akademie der Künste (Pariser Platz 4, Berlin-Mitte) in einer öffentlichen Veranstaltung verliehen. Dietger Pforte, Vorsitzender der Anna Seghers-Stiftung, gratuliert den beiden Autoren zu dieser Auszeichnung und dankt herzlich den diesjährigen Juroren Ingo Schulze und Elisabeth Gerling für ihre überzeugenden Entscheidungen. Ingo Schulze Juror für die Vergabe des Anna Seghers-Preises an deutschsprachige Autoren - hat Lukas Bärfuss für die Auszeichnung mit dem Anna Seghers-Preis vorgeschlagen, weil der erste Roman dieses erfolgreichen Theaterautors ihn stark beeindruckt hat.
Elisabeth Gerling Jurorin für die Vergabe des Anna Seghers-Preises an Autoren aus Lateinamerika - hat sich für die chilenische Schriftstellerin Alejandra Costamagna entschieden, weil die Romane und Erzählungen dieser Autorin »weder den etablierten Vorstellungen vom magischen Realismus Lateinamerikas« entsprechen, »noch muß sie gegen diese Vorurteile anschreiben«. »Vielmehr«, betont Elisabeth Gerling, »schreibt sie selbstbewußt chilenische Werke, die es jenseits von Chile noch zu entdecken gilt.«
In den letzten Jahren erhielten Claudia Hernandez aus San Salvador, Cristina Rivera Garza aus Mexiko, Pedro Lemebel aus Chile und Fabián Casas aus Argentinien den Anna Seghers-Preis für Autoren aus Lateinamerika. Deutschsprachige Preisträger waren zuletzt Jan Wagner aus Berlin, Ulf Stolterfoht aus Berlin, Nico Bleutge aus Tübingen und Katja Oskamp aus Berlin.
Daniel Kehlmann erhielt Lübecker Thomas-Mann-Preis
Lübeck (dpa) - Als bislang jüngster Preisträger ist der Erzähler und Romancier Daniel Kehlmann am Sonnabend mit dem Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck ausgezeichnet worden. Der 33-Jährige habe gezeigt, dass man Thomas Mann nachfolgen könne, ohne ihn zu imitieren, sagte der Vizepräsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, Heinrich Detering, in seiner Laudatio. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde 1975 zum 100. Geburtstag Thomas Manns gestiftet und wird alle drei Jahre verliehen. Kehlmann ist vor allem durch seine Romane »Ich und Kaminski« und »Die Vermessung der Welt« bekanntgeworden. Vor ihm haben unter anderem Walter Kempowski, Günter Grass und Siegfried Lenz den Preis erhalten.
Wie bei Thomas Mann finde sich auch im Werk Kehlmanns immer wieder die »mehrfache Erzählbarkeit der Welt«, die Vermischung von Fantasie und Meta-Fantasie, von Fiktion und mehrerer möglicher Realitäten, sagte Detering. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe, der die Auszeichnung überreichte, sagte, Kehlmann besitze wie Thomas Mann die Fähigkeit, »das Schwere leicht zu machen«.
Kehlmann bekannte: »Ich bin stolz und überglücklich über diesen Preis.« Es sei nicht leicht, sich Thomas Mann nahe zu fühlen, sagte der Schriftsteller in seiner Dankesrede. Er zitierte die amerikanische Schriftstellerin Susan Sonntag, die über ihre Begegnung mit dem Literaturnobelpreisträger einmal gesagt hatte, er habe nicht geredet, wie ein Buch, sondern wie eine Buchrezension.
Protest gegen neuen bayerischen Thomas-Mann-Preis
Lübeck/München (dpa) - Die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft hat in einem offenen Brief an die Bayerische Akademie der Schönen Künste gegen die Umbenennung des »Großen Literaturpreises« in »Thomas-Mann-Preis« protestiert. Damit werde der seit 30 Jahren vergebene Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck und das Ansehen des Autors beschädigt, heißt es in dem Brief. Zwei Thomas-Mann-Preise seien in Deutschland nicht zu vermitteln, sagte der Präsident der Gesellschaft Hans Wißkirchen.
Die Akademie hatte den mit 15.000 Euro dotierten Preis am 8. Oktober erstmals an den Schriftsteller Peter Handke verliehen. Mit der Umbenennung solle versucht werden, das problematische Verhältnis Münchens zu Thomas Mann zu glätten, sagte Wißkirchen. Der Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck würdige den großen Autor der Deutschen auf angemessenem Niveau und bedürfe daher keiner Hinzufügung, heißt es in dem Brief. Wißkirchen appelliert darin an den Präsidenten der Akademie, Dieter Borchmeyer, die Umbenennung rückgängig zu machen.
Die Hansestadt Lübeck verleiht ihren Preis alle drei Jahre. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.
Fritz-Reuter-Literaturpreis
Der diesjährige Fritz-Reuter-Literaturpreis der Stadt Stavenhagen und des Fritz-Reuter-Literaturmuseums geht an Dietrich Sabban aus Ludwigslust für sein Buch »In mienen Rückspeigel käken« (In meinen Rückspiegel gesehen). Sabban schreibt seine Geschichten, die in der jüngsten Vergangenheit und im Heute angesiedelt sind, in bester niederdeutscher Sprache. Sie gehen wesentlich über das lokale Kolorit und die üblichen Sujets vieler heutiger niederdeutschen Texte hinaus. Das Buch erschien 2007 im BS-Verlag Rostock.
Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und wird von der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin gefördert.
In einer festlichen Veranstaltung am 7. November, dem Geburtstag von Fritz Reuter, wird der Preis im Stavenhagener Schloss durch den Bürgermeister von Stavenhagen überreicht.
Heine-Preis 2008 an Amos Oz
Der israelische Schriftsteller Amos Oz (69) wird mit dem Heine-Preis 2008 der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland und wird seit 1972 verliehen. Seit 2006 ist er mit 50.000 Euro dotiert. Zusammen mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt und dem Joseph-Breitbach-Preis (Mainz) hält er mit dieser finanziellen Ausstattung den Spitzenplatz im deutschsprachigen Raum.
Der Preis wird voraussichtlich in einer Feierstunde am 13. Dezember 2008 - Heines 211. Geburtstag - übergeben. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, erreichte den designierten Preisträger am Samstag telefonisch in seinem Heimatort Arad (Israel)und informierte ihn über den Beschluss der Heine-Jury. Amos Oz erklärte, dass er die Auszeichnung mit Freuden annehmen werde und erklärte: »Ich fühle mich sehr geehrt«.
Der Heine-Preis wird, wie es in den Bestimmungen heißt, durch die vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf eingesetzte Jury »an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten«.
Die Jury traf ihre Entscheidung in einer Sitzung am Samstag, 21. Juni. Sie begründete ihr Votum wie folgt: »Amos Oz vereint literarische Kreativität, politische Sensibilität und humanistisches Engagement in einer Weise, die an Heinrich Heine erinnert. Die Jury würdigt nicht nur sein literarisches Werk, sondern auch die mutige Klarheit und Entschlossenheit, mit der er zwischen Israelis und Palästinensern Brücken zu bauen versucht.«
Münster/Bielefeld (dpa/lnw) - Der Bielefelder Schriftsteller Tilman Rammstedt erhält in diesem Jahr den mit 12.800 Euro dotierten Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Das teilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Verleiher am Freitag in Münster mit. Eine zehnköpfige Jury hat dem 33-jährigen Romanautor (»Wir bleiben in der Nähe«) den Westfälischen Literaturpreis zuerkannt. In der Begründung heißt es: »Tilman Rammstedt versteht es, Themen seiner Generation in einer präzisen und lustvollen Sprache auszudrücken. Dabei kultiviert er eine Nähe zum Grotesken und Lakonischen ebenso wie ein Faible für das Unterhaltsame.«
Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel erhält Erich-Kästner-Preis 2009
Hamburg (dpa/lno) - Der Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel erhält den mit 5000 Euro dotierten Erich-Kästner-Preis für Literatur 2009. Die Erich-Kästner-Gesellschaft in München würdige damit einen Autor, »dessen zahlreiche kinder- und jugendliterarischen Bücher ebenso wie sein schriftstellerischer Werdegang deutliche Affinität zu Erich Kästners Werk aufweisen«, teilte der Carlsen Verlag am Donnerstag in Hamburg mit. Steinhöfel werde der fünfte Preisträger seit 1979 sein. Ausgezeichnet wurden bisher Peter Rühmkorf, Loriot, Robert Gernhardt und Tomi Ungerer. Der Preis soll am 7. März 20099 in München verliehen werden.
Greifswalder Koeppen-Preis geht an Schriftstellerin Sybille Berg
Der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin und Dramatikerin Sybille Berg. Der von der Hansestadt Greifswald gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am 23. Juni, dem Geburtstag des in Greifswald geborenen Autors Koeppen, verliehen, wie die Stadt mitteilte. Sybille Berg wurde vom letzten Preisträger Bartholomäus Grill vorgeschlagen. Berg seziere mit scharfer und zugleich selbstironischer Feder wie keine andere deutschsprachige Schriftstellerin die Seelenverwüstungen im veloziferischen Zeitalter der Globalisierung, begründete Grill die Wahl. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. (dpa)
Thomas-Mann-Preis 2008 an Daniel Kehlmann
Die Hansestadt Lübeck verleiht den Thomas-Mann-Preis 2008 an Daniel Kehlmann. In der Begründung der Jury heißt es: »Die Ehrung gilt dem scharfsinnigen Essayisten und klugen Geschichtenerzähler, dessen Romane und Novellen mit artistischer Verve und in leichtfüßiger Nachfolge Thomas Manns mit Humor, Ironie und tieferer Bedeutung ihre sehr ernsten Scherze treiben.« Der mit 10.000 Euro dotierte Thomas-Mann-Preis, der 1975 anlässlich des 100. Geburtstags des Schriftstellers von der Hansestadt Lübeck gestiftet wurde, wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, »die sich durch ihr literarisches oder literaturwissenschaftliches Wirken ausgezeichnet haben im Geiste der Humanität, die das Werk von Thomas Mann prägte.« Bisherige Preisträger waren unter anderem Uwe Johnson, Siegfried Lenz, Marcel Reich Ranicki, Günter Grass und - als letzter Preisträger im Jahr 2005 - Walter Kempowski. Der Preis wird am 18. Oktober in Lübeck verliehen.